Echter Espresso hat Crema

veröffentlicht am 18. Juli 2013 in Klatsch und Tratsch von

Fast nichts hat die italienische Lebensart nachhaltiger in die Welt transportiert als die kleine Tasse dunklen Kaffees mit der Schaumkrone. Das Zischen der Espressomaschine ist in nahezu jedem Café der Welt Ausdruck der Gastfreundschaft. In den Metropolen nimmt der Geschäftsmann schnell einen kurzen Kaffee, bevor er geschäftig weiter eilt. Die jungen Liebespärchen an den Marmor-Bistrotischen schmachten sich durch den Dampf über den typischen Minitassen an. Nach dem opulenten Mahl verdaut sich die fettige Speise nach dem Tässchen konzentrierten Kaffees gleich viel besser. Der Ausspruch „Lass uns doch zusammen einen Kaffee trinken gehen“ hat schon Weltgeschichte bestimmt und meist war es der Röster, der Mokka, der Expresso oder der Café Solo, der späteren Nachwuchs zeitigte oder manches Millionengeschäft besiegelte. Wo kommt er her, wo erblickte dieses Kleinod der Getränkewelt das Licht des Tresens?

Aus Süditalien in die Metropole Mailand

Signore Angelo Moriondo (Link zur englischen Wikipediaseite) hatte sich zum wiederholten Mal geärgert, als er am frühen Morgen in Neapel auf dem Weg zur Arbeit noch schnell einen Kaffee trinken wollte. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts dauerte die Kaffeezubereitung lang und der Geschmack war mehr dem Zufall geschuldet als durchdachter Technik und handwerklichem Geschick. Also machte er sich daran, eine Technik zu ersinnen, die das Pulver der gemahlenen Bohnen mittels Wasser unter Druck unbestechlich zu einem gleichbleibend wohlschmeckenden Kaffee formte. Zusammen mit dem Mailänder Ingenieur Luigi Bezzera löste er die Herausforderung, den erforderlichen Druck zu erzeugen, mit Wasserdampf. Sie hatten kurzerhand die Siebträgermaschine> erfunden. Erst 1901 eroberte die erste Serienproduktion Italien und langsam den Rest der Welt. Aktuelle Modelle sind auch für den Privathaushalt erschwinglich, dazu hier eine Leseempfehlung: http://siebtraegermaschine.org/

Mailand bleibt die Kinderstube des Espressos

Richtig glücklich waren die Kaffeetrinker der Welt und ganz besonders die italienischen Gaumen aber noch nicht mit Technologie des Wasserdampfes. Schonendere und weitaus geschmackvollere Ergebnisse waren zu erreichen, wenn unter Druck gesetztes Wasser das Kaffeepulver durchspülte. So wurde das Patent der Wegbereiter Angelo und Luigi vom Mailänder Café-Barbesitzer Giovanni Gaggia verfeinert und er meldete 1938 sein eigenes Patent an. Mittels einem Kolben drückte sich in seiner Maschine das Wasser durch den Kaffee und erzeugte eine Schaumkrone. Diese eher überraschende Neuerung veredelte der findige Erfinder schnell mit der Begrifflichkeit des „Cremas“, der bis heute als sichtbarer Beweis für einen echten Espresso gehandelt wird.

Das Prinzip lebt weiter und bleibt ewig

Auch in Zeiten der Kaffee-Supervollautomaten und Ein-Portionen-Kaffeepads bleiben echte Espressofans dem Aufbrühprinzip Giovannis treu. Nur der echte Mailänder Crema verströmt den Flair italienischer Lebensart, für den er neben seinem Geschmack hauptsächlich getrunken wird.

Ein Video aus Mailand macht Lust auf Urlaub…und einen Espresso


Kommentar schreiben


Noch keine Kommentare